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Karelien 2008

Abenteuer Karelien oder Im Osten (et)was Neues! – 3

Belomorsk und unser Ausflug zu den Solowetzki Inseln,

Freitag, 25.07.2008

Unsere große Straßentour durch führt uns weiter durch den russischen Teil Kareliens von Petrosawodsk am Onegasee zum Weißen Meer und auf die Solowetzki Inseln, den Archipel GULAG Solschenizyns. Das Lager Solowki war Russlands erstes großes Häftlingslager, das Modell des sowjetischen Lagersystems. 

Wir verlassen Petrosawodsk nordwärts. Die Straßen ist überraschend gut, hervorragend sogar. Das verleitet natürlich Gudrun, die vorweg fährt, zu flotter Fahrt. Kurz nachdem sie ein paar Lastwagen überholt hat, wird sie von einem Polizisten, der sie mit einer Radarpistole gemessen hat heraus gewunken. Also stoppen wir alle. Nach einer kurzen Diskussion und dem mit Zeichen vermittelten Hinweis, besser auf die zulässige Geschwindigkeit zu achten, lässt er uns weiterfahren. In Medweschjegorsk stoppen wir am zentralen Platz, unweit des Kirow-Denkmals und kaufen fürs mittagliche Picknick ein. Kurz bevor wir weiterfahren wollen, kommt aus der Gegenrichtung eine Gruppe Motorradfahrer, bestimmt 20, überwiegend BMW 1200 GS und KTM aus Schweden. Wir klönen kurz und fahren dann weiter nach Sandermoch, einer Gedenkstätte für 9-13.000 GULAG-Häftlinge, die hier 1938 erschossen und in Massengräbern verscharrt worden waren. Ab 1994 hat sich eine russische Menschenrechtsorganisation um die Aufklärung und Information über dieser Tat kümmern können.

An dem Hotel in Belomorsk fahren wir zunächst glatt vorbei – kein Hinweis, keine Information. Ein Autofahrer, den ich danach frage, fährt vor uns her, bis wir davor stehen. Nach dem Foto im Internet hätte ich es auch dann nicht erkannt. Am nächsten Morgen nehmen wir uns zwei Taxis und fahren – in einer Art Privatrallye – zum Anleger für das Tragflügelboot nach Solowetzki. Durch ein Loch im Zaum erreichen wir die Abfahrtsstelle. Und fahren ein Stück auf dem berühmt-berüchtigten Weißmeerkanal, bis wir nach einer Schleusung das Weiße Meer erreichen. Eineinhalb Stunden später haben wir die Solowetzki-Inseln erreicht, ein Archipel von sechs Inseln im Weißen Meer, nur 160 Kilometer vom Polarkreis entfernt. Hier entstand zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine Klosteranlage, deren Holzkirchen im 16. Jahrhundert durch steinerne Bauten ersetzt wurden.Unter Zar Iwan den Schrecklichen spielte das Kloster eine strategische Rolle. Das Kloster, die Bastion Gottes, wurde zur Festung. Auch Peter der Große kam nach Solowki, um von hier seinen Krieg gegen die schwedischen Festungen im Onega-See zu führen. Nachdem Zar Peter die Schweden vertrieben hatte, war Russlands Weg zur Ostsee frei. Von da an diente die Klosterfestung auch als Gefängnis, als „orthodoxes Alcatraz“. Berüchtigt wurde es aber unter den Sowjets, denn das Lager Solowki war Sowjetrusslands erstes großes Häftlingslager, das Modell des sowjetischen Lagersystems. Als Alexander Solschenizyn den Begriff Archipel Gulag prägte, dachte er an eben diese Inselgruppe. War es Zynismus der neuen Herren Russlands, dass sie hier ein Lager errichteten und hier bis zu 100.000 Menschen unter unmenschlichen Bedingungen einsperrten, mitsamt der darauf lebenden Mönche oder waren es „nur“ praktische Überlegungen? Heute leben auf den Inseln wieder etwa 60 Mönche nach strengen Klosterregeln. Natascha, eine junge Deutschstundentin aus Archangelsk, führt uns durch die Anlage. In einem Restaurant – untergebracht in einer ehemaligen Lagerbaracke machen wir Mittagspause, einfach, aber sehr lecker. Und Klaus ist satt und zufrieden. Bevor dann das Boot um 18.00 Uhr zurückdüst, streifen wir dann noch einmal individuell über die Insel, eine Freude, zumal inzwischen die Sonne ganz herausgekommen ist. 

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