Von Memel aus fahren wir am nächsten Morgen in südliche Richtung nach Vente, in die Windenburger Ecke. Hier befindet sich auf der in das Haff hineinragenden Landzunge, unweit der Mündung der Memel ins Haff, unmittelbar am alten Leuchtturm eine ebensolche Vogelfanganlage wie auf der russischen Seite der Nehrung. Hier werden hauptsächlich während der Vogelzugzeiten die Vögel gefangen, gemessen, beringt und dann wieder frei gelassen. Auf einem kleinen Hügel nahe der Straße treffen wir noch auf einen alten Friedhof. Viele der Gräber sind inzwischen verfallen, aber eine ganze Reihe von ihnen tragen noch deutsche Inschriften mitunter allerdings schwer zu entziffern.Die Hauptstraße nach Silutè trägt immer noch eine feste Erddecke, sehr zum Missfallen einiger Mitreisender. Aber so waren die Querverbindungen hier früher alle und bei entsprechender Fahrtechnik ist es kein Problem sie zu befahren. Erdstraßen und Schotterwege als Hauptstraßen sind inzwischen schon die Ausnahme, denn mit Hilfe von EU-Geldern sind in Polen und im gesamten Baltikum viele Straßen, insbesondere die Hauptverbindungen erneuert worden. Über ilalè und Uventis fahren wir quer durch das Land. Kurz vor iauliai machen wir in einem netten Café eine Kaffeepause, bevor wir etwas nördlich der Stadt auf den beeindruckenden Berg der Kreuze treffen. Während alle Teilnehmer der Tour beeindruckt durch die Anlage gehen, repariere ich den Anlasser von Gudruns GS, der wiederholt gehakt hat und uns zum Anschieben veranlasst hatte. Im Gegensatz zu meiner Erinnerung gibt es an der A 12 nördlich von Jonikis bis zur Grenze nach Lettland keine Tankstelle mehr. Also werde ich die mir verbliebenen Litas auf einer späteren Reise ausgeben müssen. In Eleja verlassen wir die A 12 in Richtung Bauska und halten an der beeindruckenden Schlossanlage von Pilsrundale, einem Bau von Rastrelli, dem Architekten der Eremitage in St. Petersburg. Recht zügig erreichen wir dann Riga und unser Hotel TIA, das recht zentral in der Innenstadt liegt, unweit des Jugendstilviertels um die Albertstraße. Nach dem Abendessen machen wir einen Rundgang in und durch die Altstadt Rigas und verabreden für den nächste Morgen das Ganze bei Sonnenschein zu wiederholen. War schon der Rundgang durch das abendliche Riga ein Erlebnis, wieviel mehr ist das dann am Tage bei Sonnenschein. Besonders erfreulich sind die riesigen Fortschritte bei den Renovierungsarbeiten im Jugendstilviertel, in dem eine ganze Reihe von Häusern vom Michail Eisenstein, dem Vater des Regisseurs des Films Panzerkreuzer Potemkin gebaut wurden.Südöstlich von Riga stoppen wir unweit der Düna am ehemaligen Konzentrationslager Kurtenhof bei Salaspils. Beeindruckend die Ruhe in dieser Erinnerungsstätte, nicht einmal die Vögel zwitschern, leicht ist in dem liegenden Monolithen das Klacken eines Metronoms zu hören. Einen jungen Mann, der hierher gewandert war, nehmen wir zum nächsten Bahnhof mit, damit er leichter nach Riga und von dort aus nach Hause, nach Wien, weiterkommt.Als wir bei Sigulda die lettische Schweiz erreichen, legen wir eine Mittagspause ein und fahren dann weiter zur Küste. Bei Dunte ist das ehemalige kleine Münchhausenmuseum unweit der A 1, der Via Baltika inzwischen ein Münchhausen-Erlebnispark geworden. Immer wieder führt die Straße in unmittelbarer Nähe der Ostsee entlang und so halten wir wieder, um uns im angenehmen Wasser zu erfrischen. Die Grenze nach Estland ist eher eine Formsache und schon nach kurzer Zeit erreichen wir die alte Hansestadt Pärnu / Pernau und unsere dortige Unterkunft im Park, die Villa Ammende. Sehr stilvoll dinieren wir in dieser schönen Jugendstilvilla, lauschen dem Konzert im Garten und beschließen den Abend passend mit einem Glas Sekt.
Kategorien