Ueber den Top of the World Hwy nach Tok
Früh auf, nur ein kleines Fruehstueck und dann zur Fähre, die uns über den Yukon bringt. Als wir nach 10 Min drüben sind, ist es doch schon weit nach 9 Uhr. Bevor wir mit der Faehre am anderen Ufer anlegen koennen, schiebt ein Bulldozer noch den tiefen Sand am Anleger zusammen – das kann ja heiter werden. Aber es sieht schlimmer aus als es tatsaechlich ist. Nur die ersten Meter ist es etwas wackelig zu fahren, dann ist die Piste wieder fest. Schnell klettert die Strasse immer höher und die Ausblicke erst auf den Yukon, dann auf Dawson City und die umliegenden Berge werden immer grandioser. – Top of the World Highway – die Kanadier und vor allem die Amis nehmen den Mund gerne voll, Top of the World, aber diese Fahrt ist einfach Spitze: vergleichbar vielleicht mit der Vogesen-Hochstrasse oder Fahrten auf der spanischen Seite der Pyrenaeen mit unendlich weiten Ausblicken.
Ellen ist voller Anspannung, denn einige amerikanische Motorradfahrer, die wir am Tage zuvor in Dawson getroffen hatten, hatten ihr Angst gemacht eine fürchterliche Strasse haetten wir da vor uns, stundenlanges Gekurve bis zur amerikanischen Grenze, Staub ohne Ende. Fast nichts von alledem stimmt so unterschiedlich koennen Wahrnehmungen sei, auch abhaengig vom gefahrenen Motorradtyp. Zwar sind immer wieder kilometerlange Pistenabschnitte, die aber gut zu fahren sind. Klar, dass es dann staubt, aber die Ausblicke entschädigen uns für alles. Immer wieder halten wir an, um die Spitze der Welt zu geniessen.
Nach gut zwei Stunden sind wir an der Grenze nach Alaska. Am Eingang weist ein Schild darauf hin: Keine Waffen im Office erlaubt. Eine völlig unproblematische Einreise, ein netter Grenzbeamter aus New Orleans, mit dem ich mich noch eine Weile darüber unterhalte, wieso es ihn hierher verschlagen hat. Richtig spassig wurde es, nichts von dem Theater, wie es beim Einflug nach NY zu erleben ist. Wir zahlen jeder 6 $ Eintritt – nein – Visagebuehren, bekommen noch einen Sonderstempel in den Pass und dann geht es auf einer etwas wilderen Piste talabwärts. Na ja. Die investieren ihr Geld ja auch im Strassenbau im Irak. Nach einer Kurve steht am und im Fluss ein aufgelassener riesiger Goldwaschbagger, haushoch – wie ist der wohl hierher gekommen? Kaffeepause in Chicken, dort steht noch so ein altes Riesenteil. Und hier am Bach sitzen auch einige Unentwegte und versuchen mit der Pfanne Gold aus dem Sand zu waschen.
In den Bergen im Hintergrund sieht es aus, als fällt Regen aus den fast wolkenlosen Himmel. Aber je näher wir der vermeintlichen Regenfront kommen, desto stärker riecht es nach Rauch – Waldbrände um uns herum. An einer Bergnase, etwas abseits der Strasse, steht ein Feuerwehrauto. Ich verlasse die Route und fahre ein Stück querfeldein zu dem Fahrzeug. Nicht nur ich bin neugierig und so quatschen wir ueber Feuer, Waldbraende, BMWs und den schönen Tag. Weiter gehts. Scheinbar endlos erscheint die verbrannte Fläche. Die verkohlten Baumstämme ragen wie schwarze Spargel in den knallblauen Himmel. Dann erreichen wir Teslin Jct und sind damit wieder am Alaska Highway. Die Tankstelle mit angeschlossenem Motel an der Kreuzung ist verlassen, wirkt wie eine Filmkulisse für „Out of Rosenheim“. Zeit fuer eine witzige Fotosession und ein neugieriges Herumstreunen auf dem Gelaende. Ein kurzes Stück weiter erreichen wir Tok, unser heutiges Ziel. Nach Infos im Visitor Center essen wir bei Fast Eddy. Sein Alaskaburger ist gut und riesig, aber wieso der Laden Fast Eddy heisst, ist mir ein Raetsel.
Zur Nacht checken wir im Sourdough Campground ein. Ich düse noch mal los und finde eine Mischung aus Autowerkstatt und Schrottplatz. Hier lasse ich mir eine Verstärkung an meinen Seitenständer schweissen, der inzwischen ganz schwach geworden war. Naja, das Gebrutzel das der Typ da veranstaltet, das hätte ich besser selber machen sollen. Nicht schön, aber selten.
Abends gibt es im Sourdough Campground noch eine Pfannkuchenschau mit Liedern und Pfannkuchenzielwerfen – das richtige für die alten Amis. Ein paar kleine Reparaturen hier und da, ein bisschen gepuzzel, ein Bier und schon ist es wieder nach Mitternacht und immer noch nicht dunkel.
Juri