Heute vormittag fuhren wir nach Reykjahild und bogen auf die 1 nach Osten ab. Die Digitalanzeige an der Straße zeigte 12° C an, gefühlt waren es aber 20°. Vorbei an dem Abzweiger zum Schwefelfeld und zur Kravla erreichten wir nach einer Fahrt durch eine weite Ebene den Einstieg zur Piste zum Detifoss: angekündigt wurde 4×4 only und 22 km. Der erste Teil des Streckenverlaufes war gegenüber meiner letzten Fahrt auf dieser Strecke neu angelegt, aber machte genau solchen Spaß. Lange, feste Sandpassagen, hügelig, z.T. weit geschwungen, oft einen halben Meter in die Grassode eingefahren, dann wieder auf der Kuppe mit weitem Blick. Ein kurzer Spaziergang führte uns vom Parkplatz zu dem gigantischen Wasserfall, der sich mit einer riesigen Gischtwolke und einem zunehmenden Lärmpegel ankündigte. Von einem Felsen sahen wir auf dieses gewaltige Naturschauspiel. Tosende Energie donnerte über eine Steinstufe in die Tiefe, kaffemilchweißlich, vom dunklen Boden eingefärbt, darüber ein Sprühnebel, in dem sich ein Regenbogen brach. Der Detifoss ist aber nur einer in einer ganzen Kette von Wasserfällen, über die der Jökulsá á Föllum zum Atlantik hin strömt. Oberhalb, nicht weit entfernt, war die Gischtwolke des Selfoss zu sehen, ein Stück weiter flussab besuchten wir anschließend den Hafragilsfoss. Von einer Klippe sahen wir in die Schlucht hinunter und auf die Kante, über die sich die Wassermassen hinunter stürzten. Aus den sich unten ergebenden Verwirbelungen wurden große Wassermengen immer wieder nach oben katapultiert, z.T. deutlich über die Kante hinaus, über die sie sich talwärts ergossen hatten.
Mit viel Spaß fuhren wir die weiteren 33 km Piste bis zur Hauptstrecke, der 85 weiter. Kurz bevor wir die geteerte Straße erreichten, durchquerten wir einen der wenigen natürlichen Wälder der Insel. Alle hatten so viel Freude am Fahren, dass außer mir niemand anhielt, um sich diesen Ort für Island ungewöhnlichen Ort genauer anzusehen. An der Stelle, an der wir die Teerstraße errichten, war wie in Island üblich, eine Informationstafel über die Strecke, die wir befahren hatten, aufgestellt. Das sollte man sich bei uns mal zum Vorbild nehmen, wo man sich noch nicht einmal auf einen einheitliche Farbe der Beschilderung zu historischen Punkten hat einigen können. Dicht neben uns hielt eine Familie, die mit ihrem VW Tuareg auch die Strecke gefahren war, die wir gerade gekommen waren. Der hintere rechte Reifen war fast platt und sie hatten es noch gar nicht nicht bemerkt. Mit Hilfe des Kompressors von Hans-Jürgens Mercedes konnten wir ihnen wieder zu Luft verhelfen und ich wies ihnen den Weg zur nahe gelegenen Tankstelle.
Kurz vor der Nordostspitze der Halbinsel machten wir eine Mittagspause und sahen den Möwen und Papageitauchern beim Fliegen vor der Steilklippe zu. Auch diese Straße ist inzwischen durchgehend geteert.
Kurz vor Husavik machten wir noch durch riesige Lupinenfelder einen Abstecher auf den Hausberg. Den steilen Anstieg krönte ein grandioser Ausblick auf die kleine Stadt und die Bucht davor, in der sich das Sonnenlicht wunderbar spiegelte. Eine Kaffeepause am Hafen in der Sonne, dann Infos einholen für die Fahrt zur Walbeobachtung, die einige von uns für den nächsten Tag vorhatten.
Am Ortsausgang waren große Holzgestelle zu sehen, an denen die Fische zum Trocknen aufgehängt werden. Jetzt baumelten nur einige verträumte Fische in der Sonne. Auf dem Weg zurück nach Myvatn machten wir noch einen Abstecher zu einem alten Kirchenspiel mit Grassodenhäusern und zu dem Laxakraftwerk. Wenigstens das folgende Stück nach Reykjahlid war Piste und machte doch mehr Spaß als das Fahren auf der Teerstraße. Wieder wurde es schon Morgen, bis wir uns in die Schlafsäcke rollten.