Tok Junction
Wie sagt mein Freund Pit: Shit happens.
Da hacke ich einen schoenen Text in diesen PC, schlage mich wieder mit der englischen Tastatur herum, besonders mit dieser, die auch nicht jeden Buchstaben ankommen laesst. Dadurch entstehen dann immer merkwuerdige Wortbilder und zu guter Letzt verschwindet dann der Text noch beim Abschicken im Nirvana. Gelobt sei doch eine Sicherheitskopie.
Aufwachen in Valdez bei so tiefhaengenden Wolken, dass wir das Ende des Campingplatzes nicht sehen koennen.Wolkenverhangen ist der naechsten Morgen. Als ich vom Duschen zurueck bin, kommen unsere „Nuernberger“ Nachbarn zu uns und schenken uns frisch gefangenen Lachs und Seezunge. Die waren die ganze Nacht draussen auf dem Fjord zum Angeln und waren sehr erfolgreich gewesen. Der Fang laesst sich sehen und das, was wir bekommen haben, wird sicher eine leckere Mahlzeit ergeben. Wir werden es uns mit Sicherheit gut munden lassen.
Goetz und Ellen bleiben auf dem Campingplatz zurueck, sie wollen heute Vormittag an einer Tour zur Walbeobachtung teilnehmen. Mal sehen was das bei der Sicht wird.Axel und ich machen uns auf den Weg, nach kurzer Zeit steigt die Strasse deutlich an. Nachdem wir aus der Bucht von Valdez ueber den Bergkamm gefahren waren, durchstossen wir die Wolkendecke und auf der anderen Bergseite verschwindet sie völlig. Der Himmel reist auf es wird sonnig mit traumhafter Sicht. Eine kurze Wanderung bringt uns an das Eis des Worthington Gletschers. 150 Km weiter zweigt die McCarthy Strasse ab. Wir tanken an einer winzigen Tankstelle, wie wir sie hier schon so oft erlebt hatten. Als wir zum Bezahlen rein gehen und sagt Axel in seiner witzigen Art: 2Oh, das ist aber voll hier – zwei weitere Leute sind hier noch im Raum. Der weissbaertige alte Herr hinter dem Tresen antwortet: Hast du ein Problem damit?Es folgen noch eine Reihe von spassigen Wortspielereien und als Axel sich eine Zigarette in den Mund steckt, holt der Alte seine Flinte hervor und sagt: Wenn du hier rauchst, werde ich dir Feuer geben.Ein paar Kilometer weiter schlagen wir am Kenny Lake bei einer Tankstelle mit Campground mittags unsere Zelte auf, laden alles ab, essen eine Kleinigkeit und machen uns dann auf den Weg in den Wrangell-St. Elias Nat. Park. Das kurze Stueck bis Chitina ist die Strasse noch geteert, dann kommt eine Schotterpiste vom Feisten. Zunaechst geht es am Flusstal des gewaltigen Copper River entlang, fast zu gross fuer die Vorstellung. Ueber 100 km sind es bis nach McCarthy. Auf einer alten Eisenbahnbruecke geht es in gut 70 m Hoehe ueber den tief eingeschnittenen Canyon. Zwischen den Holzbrettern ist das tosende Wasser des schaeumenden wilden Flusses tief unter uns gut auszumachen. Grossartig ist der Ausblick auf die tiefe Schlucht des Copper River. Auf der Strecke mache ich ein bisschen Endurotraining mit Axel. Er wird immer besser und wir fahren parallel, um uns nicht gegenseitig einzustauben. In einem Teich nahe der Strasse weidet ein Elch. Wir halten und schauen ihm eine Weile zu.
Nach ueber 100 Km Fahrstrecke erreichen wir McCarthy, fahren ueber eine kleine Fussgaengerbruecke auf die andere Seite des Flusses weiter nach Kennikott. In den 30‚er Jahren ist diese alte Kupfermine aufgelassen worden, aber die riesigen Holzgebaeude stehen noch zum grossen Teil. Wie unwirklich schein es dieser Ort, die Erde durch und durch umgewuehlt, die Holzgebaeude riesig, zum Teil verfallen. An anderer Stelle ist einiges inzwischen wieder liebevoll restauriert worden und als Unterkunft fuer Gletscherwanderer eingerichtet.Sanfter Tourismus wird propagiert. Das erscheint ein wenig merkwuerdig in dieser Umgebung, in der der Boden im Flusstal nicht vom Gletscher geformt wurde, sondern vom Menschen. Riesige Abraumhalden tuermen sich auf. Alles ist aus dem Berg geholt, um an das Kupfer heran zu kommen.
Es wird Abend und wir machen uns auf den Rueckweg. Gluecklicherweise hat es auf dem Stueck dazwischen ein wenig geregnet, so haelt sich der Staub in Grenzen. Es ist auf der Piste eine schoene Fahrt wieder zurueck. Dann haette es Axel, der inzwischen mutiger geworden war, bei einer Kombination von tiefen Schlagloechern fast verrissen. Ich sehe ihn schon fliegen, aber er haelt sich auf seinem stoerrischen „V-Strom-Maultier“. Gut gemacht! Glueck gehabt?!? Wieder sehen wir einen an einem im Wasser grasenden Elch. Dann sind wir wieder am Copper River. Es regnet immer mehr. Auf den letzten Kilometern denke ich an die Geschichten, die ich ueber diese Strasse gelesen habe. Wie schwierig sie sei, wie viel Reifenpannen man dort haben wuerde, wegen der Naegel, die von der ehemaligen Eisenbahnstrecke stammen, auf deren Trasse wir unterwegs waren. Nichts von alledem stimmt. Aber es ist halt so, geht mir gerade durch den Kopf: Landschaften, Strassen und Orte aendern sich, aber die Geschichten bleiben und werden eher groesser mit der Distanz und der Zeit.Es prasselt ziemlich, als wir am Kenny Lake ankommen. Ein schnelles Abendessen im Restaurant der Tankstelle, bevor die nette Bedienung zusperrt, ein letztes Bier draussen unter einem Unterstand, dann geht es ins Zelt.
Prasselnder Regen weckte uns. Er hat ueber Nacht leider nicht aufgehoert, wird aber deutlich weniger als wir unsere Zelte zusammen packen, fruehstuecken und uns dann auf den Weg nach Tok machen.
In Glennallen tanken wir wieder auf. Eine alte Dame spricht uns auf Deutsch an. Sie moechte wissen, was das HH auf unserem deutschen Nummenschild bedeutet. Ich erklaere es ihr, denn sie war als junge Frau 1950 aus der DDR gefluechtet und ueber Friedland in die USA ausgewandert. Sie wuenscht uns eine gute Weiterfahrt und schwingt sich dann hinter das Steuer ihres Wohnmobils mit den Ausmassen eines grossen Reisebusses bei uns in Deutschland. Als sie winkend bei uns vorbeifaehrt, sehen wir, dass sie im Schlepp noch einen Gelaendewagen haben. Nicht schlecht.
Dann erreichen wir den Tok-Cut-Off. Vor dieser Strasse, der Abkuerzung nach Tok, dem Tok-Cut-Off eben, hatten uns alle gewarnt. 100 Meilen, mindestens 50 sollten schwierigst zu befahren sein, eine riesige Baustelle, in der sich Tiefschotter- und lange Schlammpassagen abwechseln sollen, eine der schlimmsten Pisten in dieser Gegend. Wir halten an und ueberlegen einen Moment. Dann fahren wir los. Kilometer um Kilometer. Nahe zu nichts mehr von alle dem. Abgesehen von ein paar kurzen Schotterstrecken – nichts. Haben wir uns verfahren? Kann doch nicht sein. Also doch die Geschichten, die mit der Entfernung wachsen. Immer wieder zwar kurze Abschnitte, die noch nicht geteert sind, aber eigentlich kein Problem! Dann – endlich – kurz vor Tok kommen noch einmal 16 km Piste, die es in sich haben. Aber das war es dann auch.
In Tok uebernachteten wir wieder bei Ken auf dem Campingplatz, auf dem wir schon auf dem Hinweg gewesen waren. Wir haben uns gerade eingerichtet und ich will zum Einkaufen, als Goetz und Ellen kommen. Es war leider nichts mit der Walbeobachtung, das Wetter ist schlecht geblieben. Auch hier haengt die Wolkendecke tief, so dass der angedachte Rundflug mit Kens Schwager fuer uns „ins Wasser faellt“.
Als ich am Visitor Center Erkundigungen einhole, um ins Internet zu kommen, treffe ich wieder auf Klaus aus Recklinghausen mit seiner KTM, mit dem wir immer wieder kurz zusammen gewesen waren. Ich nehme ihn zu uns mit und gemeinsam bereiten wir den Valdez-Lachs zu. Es wird ein feuchtfroehlicher Abend.Morgens sind wir entsprechend spaet im Gange und das gibt mir noch die Gelegenheit, im Buchladen ins Internet zu gehen, um diesen Eintrag zu schreiben.Gleich geht es auf dem Alaska HWY wieder nach Sueden.
Lieben Gruss
Juri