Wir verlassen Kohala früh. Die Strecke nach St. Petersburg ist theoretisch in drei Stunden zu fahren, aber vor der Ankunft in der zweitgrößten russischen Stadt ist die Grenze von Estland nach Russland bei Narva / Ivangorod zu überqueren und auch diese Grenze ist wieder eine Herausforderung. Auf dem Weg dorthin verlassen wir bei Kothla-Järve die Hauptstraße und fahren an die Küste heran. Die Strecke zu dem Wasserfall bei Otinka ist inzwischen geteert, ein Café und eine Eisbude zeigen weitere Veränderungen. Die große Trockenheit in diesem Jahr hat aber den im Sommer ohnehin schon schmalen Wasserfall völlig versiegen lassen. Über Sillamäe, das inzwischen mit einem RoRo-Hafen mit Finnland verbunden ist, erreichen wir an endlos erscheinenden Lastwagenschlangen die Grenzstadt Narva. Für die Motorräder kein Problem, sie reihen sich gleich hinter dem Schlagbaum ein, nur mit dem Wagen müssen wir ein paar Kilometer zurückfahren, um einen kleinen grünen Zettel zu holen, auf dem die Ankunftszeit eingetragen wird. Bei jedem Neuankömmling an der Grenze wiederholt sich das Spiel. Die Esten lassen uns eine Weile warten. Das ist auch gut so, so stehen wir im Schatten und nicht auf der Brücke in der prallen Sonne. Aber auch hier geht es auf russischer Seite erstaunlich schnell. Um das übliche Theater mit den Polizeikontrollen zu umgehen, biege ich wieder hinter Knigisepp nach Norden ab. Anfangs ist die Straße im Gegensatz zu den letzten Malen eine mittlere Katastrophe, aber sie wird immer besser und die Küstenstraße ist wieder ganz gut. Dafür wird der Feierabendverkehr immer dichter, die Petersburger fahren von den Datschen heim. Ab Lomonosov übertrifft ein Schloss aus der Zarenzeit das andere. Dann stehen immer mehr Polizisten an der Straße. Meinen Hinweis, dass die dort zu unseren Ehren stehen, glaubt mir niemand wirklich. Später erfahren wir, dass der russische Innenminister dort gewesen sei. Nach einigem Gekurbele und Baustellen und Einbahnstraßen bedingt, erreichen wir unser Hotel unweit des Newski Prospekts, bringen die Motorräder sicher unter, checken ein und machen nach dem Abendessen stilvoll mit mehreren Kerzenleuchtern weil der Strom ausgefallen war noch einen Nachtspaziergang an die Newa.Am nächsten Morgen nutzen wir die Zeit, bis der Bus für unseren Ausflug nach Puschkin kommt, um uns die Kirche gegenüber und die nahe gelegene Markthalle anzusehen. Dann fahren wir südlich aus der Stadt heraus, bewundern im Vorbeifahren die gewaltigen Baumaßnahmen an der neuen Ringautobahn und erreichen dann das Sommerschloss der Zaren in Puschkin. Immer wieder beeindruckend, das Schloss, die Gartenanlagen, der Spiegelsaal und natürlich das wieder hergestellte Bernsteinzimmer. Auf dem Weg zurück steigen wir aus, fahren mit der Metro weiter und schlendern durch die Peter-Paul-Festung. Vom südlichen Anleger an der Festung machen wir dann noch eine Kanalfahrt, bevor wir nahe der Admiralität aussteigen und an der Eremitage vorbei über den Schlossplatz zum Newski Prospekt schlendern. Wir sehen uns dann noch die Kasaner Kathedrale an, bevor wir voll von Eindrücken und auch von der Wärme sichtlich geschafft unser Hotel erreichen. Da wir am nächsten Morgen St. Petersburg nicht zu spät verlassen wollen, wird der heutige Klönabend nicht so lange wie die vorangegangenen.
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