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Russland 2007

Mare Baltikum 2007-08-07 – Stadtrundfahrt in Königsberg und Fahrt über die Nehrung nach Memel

Nach dem Frühstück werden wir mit dem Bus zu einer Stadtrundfahrt durch Königsberg abgeholt. Tamara begleitet uns als lokale Dolmetscherin. Die Stadt, die Universität und der Dom auf der Dominsel bringen interessante Eindrücke, ein Ohrenschmaus der Chor im Dom. Mittags sind wir zurück, ziehen uns um und machen uns auf den Weg nach Cranz und den Grenzübergang nach Litauen.Zunächst fahren wir aber noch einmal nach Palmnicken / Jantarnyi an die Bernsteinküste, um uns das Kombinat anzusehen, das wir wegen des schlechten Wetters nicht hatten sehen können. Um dorthin zu gelangen, muss man heute eine „Eintrittskarte“ kaufen und dann steigt noch ein Wachmann zu uns, der, als begeisterter Motorradfahrer, natürlich hoch erfreut ist, dass er auf der BMW bis zum Aussichtspunkt mitfahren kann. Gewaltig das Loch, in dem mit Hilfe von Baggern und Hochdruckschläuchen die Erde durchwühlt wird, um Tonnen von Bernstein aus tief liegenden Schichten zu gewinnen. Unsere Dolmetscherin Tamara begleitet uns weiter über Cranz hinaus auf die Kurische Nehrung. Irgendwie ist es heute verzwickt. Nachdem wir die Eintrittsgebühr in den Nationalpark bezahlt haben, meint ein kleiner dicker Polizist, seine Macht ausspielen zu können. Angeblich ist die Versicherung unserer Motorräder nicht in Ordnung und wir sollen zurück nach Cranz, um auf der Bank die entsprechende Summe nachzuzahlen, eine Strafe bezahlen und ein Protokoll über jeden anfertigen lassen. Es ist klar, wie das Spiel ausgehen soll. Nach einigem belanglosen Gerede wechseln ein paar Euros den Besitzer und wir können weiter. Leider hat der Vorgang sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Deswegen ist die Vogelwarte in Rossitten schon geschlossen, als wir dort ankommen. Wir verabreden, dass ich allen das Gegenstück auf litauischer Seite bei Vente zeigen werde. Anschließend fahren wir weiter über den schmalen Landstreifen der Nehrung in Richtung russisch-litauischer Grenze. Zu beiden Seiten säumt wechselweise mal dichter mal lichter Wald die Straße, nur gelegentlich schimmert das Blau der Ostsee oder des Kurischen Haffs durch die Bäume, sind Dünen zu erkennen. Wieder und wieder warnen uns entgegenkommende Pkw-Fahrer durch Lichtzeichen vor Radarfallen. Vor uns fährt ein Pkw mit Esslinger Kennzeichen, als wir alle von einem entgegenkommenden Polizeiauto gestoppt werden. Wir halten. Die Polizisten sprechen kurz mit dem Fahrer des Wagens vor uns, einem Russlanddeutschen, der anschließend weiterfahren darf. Dann kommt der eine Polizist zu mir, zeigt seine Radarpistole mit der Angabe 93 km/h – 60 km pro Stunde sind in diesem Streckenabschnitt erlaubt – und meint, dass wir nun eine saftige Strafe zu zahlen hätten. Als ich ihn frage, wie schnell denn der Pkw-Fahrer vor uns gefahren sei, antwortet er: 69 km/h und korrigiert sich dann sogar noch auf 67 km/h. Ich sehe ihn zweifelnd an, grinse und frage, ob er denn glaube, dass wir im Zirkus arbeiten würden, weil wir lange Zeit hinter einem deutlich langsameren Fahrzeug mit höherer Geschwindigkeit hinterher gefahren sein sollen. Er erkennt, dass er uns auf diese Art und Weise wohl nicht abzocken kann und fordert nun die verblüffte Elke auf, sich in das Polizeiauto zu setzen. Ich begleite die zögerliche und übersetze dann seinen Fragen nach ihrem Alkoholkonsum. Aber schon bald ist auch dieser Blödsinn beendet und wir können weiter. Wir erreichen den Grenzübergang, verabschieden Tamara und dann beginnt wieder die übliche Prozedur in einer neuen Variante. Aber nach zweieinhalb Stunden ist auch das geschafft und kurz danach erreichen wir den litauischen Grenzposten. Völlig anders die Vorgehensweise dort, freundlich, lächelnd, zügig, entspannt, ein kurzer Blick auf die Pässe und die Fahrzeugscheine, das war es. Wir zahlen auch hier die Gebühr für den Nationalpark und erreichen dann nach kurzer Zeit in Nidden unser Hotel. Das leckere Abendessen und die Biere dazu und danach haben wir uns verdient. Dazu spielt bei gutem Wetter und guter Luft noch eine Jazzband ein Abendkonzert. Einfach angenehm.Strahlender Sonnenschein und ein blauer Himmel begrüßen uns am nächsten Morgen. Nach dem Frühstück mit einer riesigen Vielfalt an Salaten machen wir uns auf dem Weg zum Strand, baden, liegen in der Sonne, streifen durch die Dünen. Nach einem entspannten Vormittag schwingen wir uns wieder auf die Motorräder und fahren durch Nidden zum ehemaligen Sommerhaus von Thomas Mann. Ein sicherlich guter Platz, um in Ruhe zu schreiben. Dann fahren wir nordwärts, stoppen immer wieder, nehmen ein weiteres Bad in der Ostsee und besteigen die größte Wanderdüne auf der Haffseite. Weiter geht unsere Fahrt über die Kurische Nehrung nach Memel. Kurz vor der Fähre weisen viele schwarze Bäume auf einen größeren Waldbrand hin, dann erreichen wir die Fähre und sind nach kurzer Zeit auf dem Festland. Ein paar Minuten später erreichen wir unser Hotel. Nach dem Abendessen nehmen wir den Bus in die Stadt und schlendern durch das alte Zentrum, besuchen das Ännchen von Tharau am Theaterplatz und haben unweit davon im alten Kaufmannsviertel ein Abendbier.

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