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Alaska Tagebuch 10 vom 2006-07-23

In Denali National Park                  

Manchmal ist es schon besser, seine eigenen Eintragungen zu lesen, bevor sie ins Netz gehen, aber die andere Tastenbelegung der englischen Tastatur, die mitunter nur kurzen Zeiten am PC moegen als Erklaehrungsversuch herhalten, wenn Rechschreibung und Satzbau mitunter etwas holperig sind. Dazu kommt, dass es unterwegs nur auf einem kurzen Stopp selten Gelegenheit gibt, Eintragungen zu machen und dann will ich meine Mitreisenden auch nicht zu lange aufhalten. Haeufig ist auch immer dann, wenn die Zeit zum Schreiben da waehre, mit Sicherheit kein PC in erreichbarer Naehe. So gibt es mal die Gelegenheit, in dem einen oder anderen professionellen PC Laden, Buchgeschaeft oder aehnlichem fuer ein paar Minuten gegen Gebuehr ins Netz zu gehen. Hier in Alaska versuchen wir auch zu sehen, dass eine Buecherhalle offen hat – die haben naemlich einen freien Internetzugang oder wir versuchen in einem Hotel das Internet als Gast zu benutzen, in dem wir die Motorradjacke auszuziehen und sie gegen die gute Rukkawindstopperjacke einzutauschen, um dann so zu wirken, als gehoerten wir zum Haus. Das nur als Erklaehrungsversuch, warum zwischen den einzelnen Eintragungen mitunter einige Zeit vergeht.Doch nun zum Denali.
Die Rueckkehr vom Dalton Highway war eine Staubschlacht, denn inzwischen war die Sonne mit aller Kraft zurueckgekommen. Es war sehr warm in Fairbanks. Nachdem ich wieder getankt und ein wenig eingekauft hatte, holte ich meine grosse Tasche ab, die ich aus Gewichtsgruenden in unserer dortigen Unterkunft zurueckgelassen hatte.
Dann ging es ueber den Parks HWY zum Denali Park. Eindrucksvoll, schon nach wenigen Kilometern ist man aus Fairbanks draussen und dann mitten in Wald. Der Parks HWY schlaengelt sich auf einem Bergruecken nach Sueden, immer wieder weite Ausblicke in die weiten Taeler zu beiden Seiten. Im Sueden steigen weisse Rauchfahnen auf, die auf die zahlreichen Waldbraende hindeuten. Auch auf der Fahrt von der kanadisch-amerikanischen Grenze von Dawson City nach Tok waren wir ganz nah an einem Flammenmeer vorbeigekommen. Endlich erreiche ich Denali, ein Gewusel an Hotels und Parkplaetzen fuer die riesigen Wohnmobile, RVs genannt. Ich fahre durch die verschiedenen RV-Parks und Campgrounds auf der Suche nach meinen Leuten, die hierher vorgefahren waren, weil sie sich die Fahrt nach Prudhoe Bay nicht hatten antun wollen. Aber auch auf dem Campingplatz des Nationalparks finde ich sie nicht. Sicherlich haben sie eine Nachricht im Denali Park Visitor Center mit einer Wegbeschreibung hinterlegt, damit ich weiss, wo sie untergekommen sind. Aber das hat leider schon zu. Probiere ich es eben morgen wieder.

Bloed, angeblich ist der Campingplatz des Nationalparks voellig ausgebucht. Aber ein paar junge Leute, mit denen ich wegen meiner voellig verdreckten BMW ins Gespraech komme, laden mich ein, mein Zelt auf ihrem Platz mit aufzustellen. Waehrend ich ablade, werde ich immer wieder auf mein Motorrad angesprochen. Viele der Gespraeche gehen deutlich tiefer, als ich sie bisher hatte, auch ueber Politik, u.a. mit einigen Soldaten, die hier im Park ihren Urlaub verbringen.
Am naechsten Morgen finde ich leider im Visitor Center keine Nachricht vor, treffe aber unterwegs auf Axels Motorrad und hinterlasse ihm eine Nachricht. Dann buche ich eine Fahrt mit dem Bus in den Park – den man – bis auf wenige Ausnahmen – nicht mit dem eigenen Fahrzeug befahren darf. Gut so.
Die Schweisserei am Seitenstaender, die ich in Tok hatte machen lassen, hielt schon lange nicht mehr. Das stuemperhafte Geklebe in der Werkstatt dort aergert mich, das haette ich selber deutlich besser machen koennen. Also fahre ich in die Tankstelle nach Denali, um mich dort zu erkundigen, wo es eine Moeglichkeit zum Schweissen geaebe.

Genau vor der Tankstelle treffe ich auf Ellen und Goetz. Die Freude ist gross, sie geben mir die Wegbeschreibung zu Grizzly Campground, einige Meilen suedlicher, auf dem sie untergekommen sind, denn bei ihrer Ankunft war hier auch schon alles ausgebucht. Waehrend wir noch reden, schlaegt auch noch Ryan auf, den wir am Sea to Sky HWY getroffen hatten, als wir wegen Ellens defekter Batterie eine Zwangspause einlegen mussten. Grosse Wiedersehensfreude. Er berichtet, dass seine Kupferschlangen, die er aus Seattle mitgebracht haette, schon installiert waehren und dass damit seiner eigenen Bierproduktion also nichts mehr im Wege stuende.
Auf der Suche nach der Werkstatt im naechsten Ort, in der man vernuenftig schweissen lassen koenne, sehe ich eine grosse Halle, davor allerlei Strassenbaumaschinen. Das ist doch einen Versuch wert. Ich muss einen Moment warten, Aber dann zieht Ray eine Supernaht und der Seitenstaender ist wieder sicher und voll funktionsfaehig. Die Wartezeit verkuerze ich damit, dass ich meine BMW so gruendlich wie moeglich wasche. Der Dreck ist hart wie Beton, aber allmaehlich werden die Kuehlrippen frei und das Ergebnis ist ein fast sauberes Motorrad. Anschliessend unterhalte ich mich noch mit Ray bei einer Cola ueber Gott und die Welt, ueber Reisen, das Leben in Alaska und hoere mir seine Meinung ueber amerikanische Innen- und Aussenpolitik an. Armer George Bush, dem muessten die Ohren geklungen haben. Zurueck in Denali schlendere ich noch durch die Ausstellung im Visitor Center, dann fahre ich zum Grizzly Campground und wir bereiten uns ein schoenes Abendessen.
Am naechsten Morgen muss ich schon frueh los, denn die Bustour startet um 9:00 Uhr. Ich habe riesiges Glueck. Der Tag ist unglaublich klar und wir sehen den Mt. McKinley ohne jede Wolke. Voellig ungewoehnlich, wie unsere Busfahrerin erklaehrt. Unterwegs treffen wir immer wieder auf Tiere, meist jedoch in groesserer Entfernung. Doch dann haben wir Glueck. Nicht nur Schneehuehner und Karibus sehen wir in unmittelbarer Naehe, dann waetzen auch noch zwei grosse Baeren auf der Strasse direkt am Bus vorbei. Bei der Geschwindigkeit, die die drauf haben, waehre es sicherlich unmoeglich gewesen, vor ihnen wegzulaufen.
Nach der Rueckkehr ins Camp und einem guten Abendessen mit einem abschliessenden Bier – oder auch drei – schlafe ich, ueberwaeltigt von den Eindruecken, rasch ein.

Juri gruesst aus dem Denali 

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