Kuopio / Finnland,
Mittwoch, 06.08.2008
Reise durchs Rollatorland oder was die Finnen und die Schweizer außer Ricola noch gemeinsam haben.
Die alte Hansestadt Oulu ist recht interessant. Die alten Speicher am Hafen sind liebevoll hergerichtet, aber, wie an anderen Küstenorten im Norden auch im Gegensatz zu Mittelmeerstädten sind sie eigentlich dem Meer abgewandt. Christine besorgt für unsere hüstelnden und schnupfendem Reisenden dank ihres Arztausweises wirkungsvolle Medikamente aus der Apotheke. Dann verlassen wir Oulu entlang des Oulujoki nach Südosten, fahren über Muhos und Vaala zum Oulujärvi. Dort Tankstopp an einer Tankstelle, die im technischen Bereich auf kleinstem Raum so gut sortiert ist, wie ich es lange nicht gesehen habe. Gegenüber kaufen wir im Supermarkt fürs Mittagspicknick ein. Draußen schieben viele ältere Herrschaften mit ihren Gehwagen umher, sind oft weite Strecken mit einer Art verbundenen doppelten Roller unterwegs, bei dem sie sich mit einem Bein in der Mitte abstoßen. Das Prinzip ist ihnen wohl vom Skilanglauf her in Fleisch und Blut über gegangen. So sind sie ausgesprochen beweglich.
Wir bewegen uns erst ein Stück auf der 5 nach Süden, verlassen sie aber bei der ersten guten Gelegenheit und schlängeln uns dann um Iisalmi herum weiter zu unserem heutigen Ziel, Kuopio. Die kleinen Straßen sind uns doch die liebsten. Es gibt so viel zu sehen, sie sind interessanter zu fahren. Dann geht die Teerstraße in eine Erdstraße über. Bergauf, bergab, Kurve um Kurve. Dann eine Holzbrücke über einen kleinen Fluss, am Geländer sind Blumenkästen angebracht, liebevoll bepflanzt. Wir halten mal wieder zum Fotografieren und verursachen nach kurzer Zeit einen größeren Stau. Wir müssen die Motorräder beiseite nehmen, denn einige der großen Traktoren, die mit hochbeladenen Anhängern vom Grasmähen zurückkehren, kommen an uns nicht vorbei: wegen der feuchten Böden haben sie auf beiden Achsen auf beiden Seiten jeweils doppelte Radsätze. Dann, aus dem Augenwinkel gerade noch gesehen, ein Abzweigung nach rechts: Riikola. Also haben die Finnen aus der Werbung doch recht und nicht der Schweizer, die sie an den Bärten zupft. Und noch eine Parallelität fällt mir ein diese Bedächtigkeit, ja Langsamkeit, die vielen Schweizern nachgesagt wird, ist auch vielen Finnen gemein. In der Ruhe liegt die Kraft und als der liebe Gott die Welt erschuf, hat er von Hektik nichts gesagt.
Kuopio ist planmäßig angelegt, quadratisch, mit jeweils einer Ampelkreuzung am Ende eines jeden Straßenblocks. Und die Ampelschaltung müssen die hier in Hamburg bestellt haben, sie ist immer rot. An jeder Ampel. An jeder Kreuzung. Dennoch können diese Schaltungen auch auf Dauer nicht verhindern, dass wir unser Hotel erreichen.