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Karelien 2008

Abenteuer Karelien oder Im Osten (et)was Neues! – 1

St. Petersburg,

Sonntag, 20. 07.2008


Von Travemünde nach Helsinki, durch Finnisch Karelien nach Imatra, über die finnisch-russische Grenze bei Imatra / Svetogorsk weiter nach Viborg am Saimaakanal nach St. Petersburg.

Geschafft, das erste Abenteuer dieser Tour, die Einreise nach Russland. Jedes Mal, trotz vollständiger Papiere, ist das ein Erlebnis der besonderen Art. Auch hier brauchen wir – erstaunlicherweise nur gut eineinhalb Stunden, um die ganze Prozedur hinter uns zu haben. Allerdings macht wieder niemand darauf aufmerksam, dass wir eigentlich eine CTPAXOBOЙ ПOΛИ haben müssen, eine Haftpflichtversicherung für die Motorräder, da die grüne Versicherungskarte in Russland nicht anerkannt wird. Umgerechnet 20 Euro für 15 Tage sind es auch nicht Wert, sich bei einer Polizeikontrolle auf Diskussionen einzulassen. Geldwechsel, kurzer Kontrollblick in die Motorradkoffer und es geht los. Es stinkt im Grenzbereich – ein Zellulosekombinat entlässt seine Abgase riechbar in die Luft. Lange Reihen von Güterwagen, mit Baumstämmen beladen, stehen in Fahrtrichtung Finnland. Auf finnischer Seite waren es kilometerlange Schlangen von Autotransportern mit Fahrtziel Russland. Auf der Strecke nach St. Petersburg gibt es eine Fülle von Eindrücken – von den Menschen, ihrem Leben in den kleinen Orten entlang der Straße und dem Verkehr.

In Travemünde hatten wir uns alle am Skandinavienkai an der Fähre getroffen, hatten einen wundervollen Tag auf See verbracht und waren dann nach einem Stadtrundgang und einer Stadtrundfahrt durch Helsinki bei einer Motorradwerkstatt gelandet, da sich eine Batterie unterwegs verabschiedet hatte. Schon hinter Lappeenranta, das wir auf kleinen geschwungenen Straßen von Helsinki aus erreichen, sind wir in Karelien. Karelien ist für die Finnen Teil einer schmerzhaften Geschichte. 27.000 Quadratkilometer rund um ihre damals zweitgrößte Stadt Viborg verloren sie in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, mehr als 400.000 Menschen büßten ihre Heimat ein und siedelten nach Finnland über. Sie und ihre Nachkommen halten das karelische Erbe bis heute hoch, und seit es wieder möglich ist, in den heute russischen Teil zu reisen, tut es ihnen weh zu sehen, wie das einst blühende Land verfällt. Für die finnischen Politiker jedoch ist Karelien kein Thema. Die Grenzen liegen fest, Friedensverträge und internationale Abkommen haben sie besiegelt.
Nach der ersten Nacht in Imatra, wo wir das Ablassen des berühmten Wasserfalls erleben können, überqueren wir die Grenze nach Enso, das heute Svetogorsk heißt. Das erste Tanken wird für alle, die noch nicht in Russland waren, zu einem Erlebnis, selbst an einer modernen Tankstelle. Eine Hochzeitsfeier nahe der Burg von Viborg, alle Geschäfte haben auch am Sonntag auf. Aber der Zustand der Gebäude und der Straßen lässt einen russlandunerfahrenen Reisenden nur staunen.
Wir verlassen schon nach kurzer Zeit die M18, den Hauptweg nach St. Petersburg und fahren dazu parallel auf der alten Straße. Der Verkehr ist deutlich geringer, die Lastwagen und Pkw hängen dir nicht so drängelnd im Nacken. Lange Strecken durch Kiefernwälder, immer wieder eine Gedenkstätte an die Kämpfe des Zweiten Weltkrieges, eine Militärsiedlung, Schrott überall, scheinbar aufgelassene Kolchosen. Dann wird der Verkehr wieder dichter, wir sind an der Ostsee. Feriensiedlungen und Datschen, z.T. eher herrschaftliche Häuser in Kiefernwälder, Menschen liegen am Strand, sonnen sich.
Späte Mittagspause an einem modernen Restaurant, direkt der Ostsee. Davor diverse Autos und Motorräder der gehobensten Klasse. Das Essen ist hervorragend, die Preise entsprechen unseren. An Nachbartischen feiern Menschen, in der nachmittäglichen Sonne sind die Zungen schwer, denn neben noch halbvollen Tellern stehen diverse geleerte Wodkaflaschen.
Der Verkehr staut sich hinter einer Gruppe Radrennfahrer, wird deutlich dichter, die Bebauung auch. Eine Hochhaussiedlung reiht sich an die andere. Dann die Begegnung mit „Pitter“, wie die Bewohner von St. Petersburg ihre Heimatstadt, Hamburgs Partnerstadt an der Newa, liebevoll nennen, diese großartige Stadt voller Gegensätze. Wir fahren auf einer breiten Straße entlang der Newa in die Stadt, stoppen beim Kreuzer Aurora, dann an der Peter-Paul-Festung, überqueren die Newa und stoppen nahe der Eremitage. An den Schlossplatz können wir leider nicht heran, der Newski Prospekt ist in diesem Bereich wegen längst überfälliger Asphaltierungsarbeiten weiträumig gesperrt. Wir schlängeln uns zum Hotel Dostojewski durch, entladen die Motorräder und bringen sie auf den Parkplatz. Dort bleiben sie während des Aufenthaltes sicher bewachten, während wir nach dem Abendessen nunmehr als Fußgänger einige der Highlights des Venedigs des Nordens erkunden.
Schön, dass wir unsere Anfahrt zum Hotel so intensiv gemacht haben, denn der nächste Morgen überrascht uns mit kräftigem Regen. Schade, denn unser Ausflug mit dem Tragflügelboot nach Petrodworez / Peterhof, in die Sommerresidenz von Peter dem Großen fällt so fast ins Wasser. Den prunkvollen Katharinenpalast in Puschkin / Zarskoje Selo lassen wir dieses Mal aus. Aber Peterhof ist bekanntermaßen ein Ort der Wasserspiele. Also passt es. Glücklicherweise klart es ein wenig auf und wir beenden unseren Rundgang, fahren mit dem Bus zurück zur nächsten Metrostation und dann geht es weiter mit der Metro zum Hotel. Unterwegs sehen wir uns noch einige der eindrucksvollen Bahnhöfe an. Der abendliche Rundgang endet dann noch bei einem Bier oder auch zweien.

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