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Russland 2007

Mare Baltikum 2007-08-05 – Königsberg und Umgebung

Nach dem Frühstück sind alle heiß darauf, weiter zu fahren. Königsberg lockt und die schöne Strecke dorthin. Zunächst müssen wir noch ein Stück auf der 1 nach Süden fahren. Der dichte Lastwagenverkehr und die tief eingefahrenen Spurrillen lassen noch keinen großen Fahrspaß aufkommen. In Dirschau / Tschew biegen wir ab und überqueren die Weichsel auf der alten Stahlbrücke. Ein Stück fahren wir dann auf der 22, einem Teil der alten Reichsstraße 1, bis wir Marienburg / Malbork erreichen. Immer wieder gigantisch ist der Anblick der alten Ordensfestung, die sich gewaltig auf der anderen Seite der Nogat  erhebt. Über die Nogatbrücke fahren wir dann weiter, erst durch die Stadt Marienburg, dann durch das Weichseldelta bis nach Elbing / Elbląg. An der Abfahrtstelle der Schiffe, die den Oberländischen Kanal befahren, machen wir einen Stopp und blicken auf die neue Altstadt rund um die Nikolaikirche. Parallel zum Haff fahren wir nach Cadinen, dem alten Gestüt und dann zum kleinen Haffhafen von Tolmicken. Der Weg am Haff entlang nach Frauenburg erweist sich für die meisten von uns als nicht befahrbar, die Teerstraße geht erst in Schotter und dann in einen Sandweg über, deshalb fahren wir nach Tolmicken zurück und wählen die altbekannte, kurvenreiche Strecke über den Geesthang. Der Besuch des Kopernikusturmes in der Burganlage mit dem phantastischen Blick über das Frische Haff hinweg zur Nehrung ist ein Muss, ebenso wie die anschließende Kaffeepause. Auf dem Stück zur Grenze künden wiederholte Lichtsignale von entgegenkommenden Fahrzeugen versteckt lauernde Radarkontrollen an. Dann ist der Grenzübergang hinter Braunsberg / Braniewo erreicht. Die Schlange an vor uns wartenden Fahrzeugen ist überschaubar. Am Schlagbaum angelangt, überreicht der Grenzbeamte jedem von uns ein Formular, das wir ausfüllen, während es leicht zu regnen beginnt. Wir haben großes Glück. Kaum sind wir alle unter dem Blechdach des Grenzgebäudes, als es zu prasseln beginnt. Als wir nach zwei Stunden mit der Abfertigung durch sind, tröpfelt es nur noch ein wenig. Aber unsere Hoffnung, bei Sonnenschein nach Königsberg einzufahren, erfüllt sich leider nicht. Die regenverhangenen Wolken über der Stadt und der Umgebung. Der wieder und wieder beginnende Regen machen den ersten Eindruck noch trüber, als er ohnehin schon ist.Dadurch ist das Fahren noch schwieriger, als es bei Trockenheit wäre, denn eine Beschilderung ist nur schwer auszumachen. Dazu erfordert die Straße die ganze Aufmerksamkeit: Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher – wagenradgroß, ief ausgefahrene Spurrinnen, in denen man von der einen zur anderen Seite schwankt, Straßenbahnschienen, die zum Teil mehr als10 cm über das Straßenniveau herausragen, ein fast chaotischer Verkehr, dazu ein Landregen vom Feinsten. Endlich erreichen wir die Tschernachowsker Chaussee, passieren den Posten der DPS, der Polizei, wenden – wie alle anderen auch – auf der Autobahn und sind dann endlich an unserem Hotel angelangt.Was schmeckt das erste Bier nach dem Duschen gut! Eigens zur Sicherheit unserer Motorräder ist Eduard, ein Germanistikstudent, engagiert, der die nächsten Nächte über unsere Motorräder wacht. Im Hotel am Mühlenteich geht es hoch her. Mehrere Jubiläen und eine große Hochzeit sorgen lange für eine entsprechende Geräuschkulisse.Am nächsten Morgen ist der Regen vorbei und wir machen uns auf den Weg zur Bernsteinküste. Nach dem Tanken erreichen wir wenige Meter weiter die Polizeikontrollstelle, wie sie im Eingangsbereich einer jeden russischen Stadt zu finden ist. Und hier macht also Königsberg keine Ausnahmen. Mich stoppt der diensthabende Polizist und fragt nach den Papieren. Doch als er alle anderen hinter mir sieht, gibt er auf und winkt uns durch. Wir biegen gleich auf den Königsberger Ring ab und fahren in einem großen Bogen um die Stadt herum in Richtung Pillau / Baltisk. Die Zufahrt dahin wird uns aber verweigert, es ist immer noch militärisches Sperrgebiet, ohne Sondergenehmigung ist da kein Durchkmmen. Wir fahren also nordwärts weiter, an der Bernsteinküste nach Palmnicken / Jantarnyi. Leider fängt es an zu regnen und die Sicht wird immer schlechter. An einem Platz oberhalb der Küste halten wir an und sind sofort von einer Gruppe Vietnamesen umringt, die erst unsere Motorräder, dann uns, dann sich mit uns und den Motorrädern fotografieren. Nach einer Fahrt auf holprigen Straßen erreichen wir Rauschen / Svetlogorsk und machen Halt auf eine Kaffeepause. Da der Regen zwar weniger wird, aber die Sicht nicht besser, fahren wir durch die weitgehend menschenleere Gegend zurück zum Hotel.Am nächsten Morgen starten wir zu unserer Rundtour in den Osten und Norden des Königsberger Gebietes. Tapiau, Insterburg, Gumbinnen, Trakehnen, Eydtkuhnen, Tilsit – diese Orte haben nur wenig mit dem zu tun, was sie ehemals bedeuteten. Dazwischen weitestgehend unbewirtschaftetes Land, Brache, nur wenige Häuser. Auf der Straße blinken immer wieder entgegenkommende Autofahrer auf, um auf Polizeikontrollen hinzuweisen. Wunderschön ist die Fahrt dennoch, trotz des z. T. schlechten Straßenzustandes, denn das Wetter ist wieder großartig. Auch heute sind wieder große Hochzeitsfeierlichkeiten im Hotel, mit Aktivitäten bis spät in die Nacht.

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